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Donnerstag, 17. Mai. 2012


Wanderweg über die Pluwiger Höhe

Ca. 4,3 km, anfangs über geteerte Wirtschaftswege, letzter Teil (Kempenweg) über einen Feldweg; festes Schuhwerk ist zweckmäßig. Ausgangspunkt der Wanderung ist der Pluwiger Dorfplatz. Zunächst geht es durch den Ort die Wilzenburger Straße entlang in Richtung Pluwiger Hammer. Die heutige Wilzenburger Straße mit ihren Häusern erinnert nicht mehr an die alte Dorfstraße mit den typischen Pluwigern Bauernhäusern. Lediglich das Anwesen in der Wilzenburger Str. 31 vermittelt noch einen Eindruck, wie das Dorf ehemals ausgesehen hat.
Anwesen Wilzenburgerstraße 31
Anwesen Wilzenburger Straße 31

Es handelt sich architektonisch um den Trierischen Bauernhaustyp ("Einhaus"): Wohnhaus, Scheune und Stall bilden unter einem Dach ein Haus. Hinter Kaufmarkt und Sparkasse verlassen wir die Wilzenburger Straße und biegen rechts in die Bergstraße ein. Nach ein paar hundert Metern befindet man sich bereits außerhalb des Dorfes auf dem befestigten Wirtschaftsweg nach Geizenburg. Nach den letzten Häusern geht es steil bergauf. Links liegen die Felder und Wiesen In der Aetel. Der Flurname In der Aetel ist für unsere Gegend recht ungewöhnlich. Der Name hat vielleicht französischen Ursprung und bedeutet so viel wie 'in den Stoppeln' bzw. 'auf den Stoppelfeldern' (französisch éteule [etoel]) oder aber er ist von dem heute ungebräuchlichen Ätzel (16. Jahrhundert: 'Weide') abge-leitet. Der Distrikt In der Aetel ist in drei Gewanne aufgeteilt. Ein Gewann ist eine Gemarkung, die unter mehreren Besitzern streifenförmig aufgeteilt ist und unter Flurzwang wechselnd genutzt wurde: In einem Jahr wurde im 1. Gewann Wintergetreide angepflanzt, das 2. blieb brachliegen, das 3. Gewann enthielt die Sommerfrüchte. Im nächsten Jahr wurde wieder gewechselt, so dass der Boden nie einseitig ausgelaugt wurde. Das Gewann (mittelhochdeutsch gewande) bedeutet eigentlich 'Ackergrenze', an der der Pflug gewendet wurde. Mit der Aufhebung des Flurzwangs und dem Übergang zur Fruchtwechselwirtschaft verlor die Gewanneintei-lung an Bedeutung. Die Häuser des heutigen Neubaugebiets In der Aetel liegen im 1. Gewann; in Richtung Wald schließen sich das 2. und 3. Gewann In der Aetel an.

Gegenüber der Aetel liegt rechts des Wirtschaftswegs die Flur Im Dumpf. Das Wort Dumpf ist seit Ende des 17. Jahrhunderts belegt und bedeutet 'Moder', 'Schimmel'. Im Dumpf ist also eine feuchte Flur. Im Frühjahr und Herbst erkennt man dies an den Wasserlachen, die auf den Feldern Im Dumpf stehen. Hinter dem Dumpf liegt die Hühnerheck. Dort ließen die Wilzenburger früher ihre Hühner frei in den Hecken laufen. Wir gehen weiter bis etwa in die Mitte des Anstiegs. Auf einer Bank kann man sich vom Anstieg erholen. Schon von hier hat man einen herrlichen Blick auf Kastertsberg mit der Hockweiler Linde, auf Pluwig und Gusterath sowie ins untere Ruwertal mit den Weinbergen und seinen bewaldeten Hängen. Malerisch liegen die Orte Schöndorf und Holzerath an den hügeligen Ausläufern de Osburger Hochwalds.Direkt am Wegrand steht das Oberhausener Kreuz. Es handelt sich um ein umfriedetes Steinkreuz, das die Pluwiger Familie Oberhausen zur Erinnerung an ihren Sohn Ernst aufgestellt hat, der im Zweiten Weltkrieg in Russland gefallen ist. Die Inschrift lautet:


Wanderer, lenkst Du Deine Schritte
hier zu dies. Kreuze hin, dann erfüll des Toten Bitte
sprich ein still Gebet für ihn.
Zum Gedenken an unseren lieben einzigen Sohn
Ernst Oberhausen
geboren 3. April 1917
gefallen 22. Juni 1942 in Russland

Der Wirtschaftsweg führt weiter auf die Höhe. Die Gemarkung rechts oberhalb des Oberhausener Kreuzes heißt Lawer längten. Die Lawer längten sind langezogene (längten) und feuchte (Lawer: französisch lavoir, oberdeutsch Lavor `Waschbecken´) Flurstücke. Linker Hand liegen hinter der Aetel am Hang vor dem Wald die Flurstücke Frauenhaus, Ober Wild und fast auf der Höhe Im Engelsbüsch. Der Flurname Frauenhaus rührt von Quarzbrocken, die im dahinter liegenden Wald, dem Wacken, einer kleinen Grotte ähnlich zusammenstehen. In dieser Höhle soll der Fama nach in uralter Zeit einmal eine Frau gehaust haben - vielleicht ein Relikt aus der Zeit der Hexenverfolgung. Mit Wild bezeichnete man ein unbebautes Land, das nicht bewirtschaftet wurde; Ober Wild ist also das oben liegende unfruchtbare Land. Heute grasen auf dieser Gemarkung ab dem Frühjahr die Kühe des Geizenbur-ger Jupp. Die Bezeichnung Im Engelsbüsch rührt daher, dass im dahinter liegenden Wald (mittelhochdeutsch büschel in der Bedeutung 'kleiner Busch') senkrechte weiße Steinquader engelsgleich herumstehen.Wenn wir die Anhöhe erreicht haben, geht geradeaus ein Feldweg den Gegenhang nach Geizenburg hinunter. Es ist der Kirchenpfad, über den die Geizenburger früher immer zu Fuß nach Pluwig in die Kirche gingen.Auf der Anhöhe steht bei einer Ruhe-bank auf einem Steinsockel ein Holzkreuz, das Fliegerkreuz. Die Inschrift auf dem Sockel lautet:


O Crux Ave
Daniel Martin
* 20.VII 1933
5. XI 1954


Hier verunglückte im Herbst 1954 der französische Soldat Daniel Martin mit seinem Jagdflugzeug. Die französischen Streitkräfte machten damals im Pluwiger Ländchen ein großes Manöver: Schützenpanzer hatten sich in den umliegenden Waldstücken verschanzt, viele Soldaten hatten ihre Geschütze in Stellung gebracht. Sie wurden aus der Luft mit Jagdflugzeugen angegriffen und sollten die Verteidigung üben. Bei einem solchen Luftangriff flog der Pilot Daniel Martin von Hinzenburg her kommend im Tiefflug über Geizenburg, verlor die Kontrolle über seine Maschine und stürzte in den Berghang. Die Eltern des Verun-glückten nahmen mit dem damaligem Geizenburger Ortsvorsteher Johann Theis Kontakt auf und ließen das Holz-kreuz als Erinnerung an ihren Sohn er-richten. Der angrenzende Wald, in dem heute einige Wochenendhäuser stehen, heißt Wacken: Überall im Wald liegen große und kleine Quarzsteine und Quader verstreut.

Hinter dem Fliegerkreuz weitet sich der Blick auf die Schöndorfer Heide, auf Hinzenburg sowie die Ruwer fluss-aufwärts mit ihren bewaldeten Hängen. Rechts am gegenüber liegenden Hang liegt Ollmuth. Wir wandern den Wirtschaftsweg weiter bergauf in Richtung Wasserhäuschen. Das Flurstück rechts des Wegs bis hin zum Wasserhäuschen heißt Im weißen Stein; die weißen Quarzsteine liegen hier jedoch unter den Wiesen und Äckern verborgen. Das Wasserhäuschen liegt auf dem ersten Kääpen, d.h. auf dem ersten Kopf, der ersten Erhebung des Pluwiger Höhenwegs. Die offizielle Flurbezeichnung heißt: Auf den Köpfen. Die Kääpen erkennt man an ihrem Bewuchs: hier finden sich heute Dornensträucher und Ginsterbüsche. Früher wuchsen hier vor allem Wildkirschen, die die Pluwiger und Geizenburger Kinder pflücken gingen. Von den Köpfen hat man auf der Nordseite einen phantastischen Blick ins obere Ruwertal, auf das unten am Hang gelegene Geizenburg, auf Ollmuth, Hinzzenburg und die Schöndorfer Heide. Man erkennt genau den Verlauf der Ruwer, die parallel verlaufende Bahnlinie und die malerischen Sandsteinviadukte über den Fluss. Im Frühjahr und Sommer liegt Geizenburg ganztags in der Sonne. In Geizenburg gibt es daher den Spruch: Sinn mir Geizenburger och arm, mir leien awer et ganze Joahr warm.Auf der gegenüber liegenden Südseite fällt der Hang steil ab. Unter dem zweiten Kääpen liegt Im Lawerwild, unter dem dritten Im Dellenwild, zwei ehemals landwirtschaftlich ungenutzte Fluren (wild): Die eine liegt wie eine flache Vertiefung (Delle) am Hang, die andere ist feucht wie ein Waschbecken (Lawer) und war früher für die Landwirtschaft unbrauchbar. Nach den letzten Kääpen macht der Wirtschaftsweg eine scharfe Rechtskurve. Ab hier verläuft der Weg parallel zur Ollmuther Gemarkungsgrenze. Im Früh-jahr und Herbst, wenn das Getreide ge-erntet ist und die Wiesen gemäht sind, erkennt man die Grenze links des Wirt-schaftsweges an den großen, quaderförmigen Grenzsteinen. Schon von Weitem sieht man links des Wirtschaftsweges ein hohes Holzkreuz, das Gertzkreuz.


Gerzkreuz 1950



Gerzkreuz 2000

Gertz ist ein alter Hausname aus Geizenburg ('Haus, das dem Gerhard gehörte'). Nach mündlicher Überlieferung wurde dieses Kreuz an der Stelle errichtet, an der ein Mitglied aus Gertz Haus um 1800 zur Winterszeit im hohen Schnee erfroren sein soll. Am Gertzkreuz bleibt jeder Wanderer stehen oder nutzt die Ruhebank zur Rast, denn von Gertzkreuz aus hat man einen herrlichen Blick auf das untere Ruwertal bis hin auf die Waldracher Weinbergshöhen und hinauf bis zur Hunsrücker Höhenstraße am Hinkelhaus. Am Südhang erstreckt sich Gusterath, rechts der Ruwer auf den Hügeln liegt Lonzenburg. Am Horizont ist der Osburger Hochwald zu erkennen.


Blick auf das untere Ruwertal

Das Pluwiger Ländchen liegt uns zu Füßen: Links am Kastertsberg erkennt man die Straße nach Trier. Unten links liegen die Häuser von Alt-Pluwig, man erkennt die Franzenheimer Straße, die Kirche in der Ortsmitte, die langgestreckte Wilzenburger Straße sowie den Ortskern Willmerich. In Richtung Ruwer liegt der Fried-hof, die Sporthalle und der Sportplatz.Direkt vor uns befindet sich am Hang die Flur Unterm Gertzkreuz und In der Dellensang, eine dellenartige Senke, die sich bis in die Weidenwies erstreckt. In der Dellensang entspringt der Pluwiger Waschbach; links der Dellensang war früher ein Weinberg. Heute ist der Hang verwildert. Wir folgen dem Wirtschaftsweg weiter in Richtung Franzenheimer Straße. Bevor der befestigte Weg nach unten führt, wandern wir rechts ab in den Kempenweg. Der Kempenweg verläuft parallel zur Franzenheimer Straße in Richtung Pluwig auf einem Kamm (mittelhochdeutsch kambe, kämpel in der Bedeutung 'Kamm' oder kamp, kempen in der Bedeutung 'größeres zusammenhängendes Feld, oft von Bäumen oder Sträuchern umzäunt').Die erste Flur links heißt Hockermich; die Herkunft dieses Flurnamens liegt im Dunkeln. Vielleicht beschreibt der Flurname die hockerartige Form des Geländes. Rechts des Feldwegs liegen die Krummlängten: Es handelt sich um schmale, länglich sich erstreckende Fluren, die allerdings eine starke Krümmung aufweisen. Ein Blick auf die Felder rechts des Kempenwegs bestätigen dies. Der Hügelkamm auf beiden Seiten des Feldwegs bis hin zu den ersten Häusern in der Franzenheimer Straße wird mit Kempen, ('Kamm') bezeich-net: Auf Kempen, Am Kemperweg, Diesseits Kempen, Auf unterst Kempen. Zwischen den Häusern In der Weidenwies und denen der Franzenheimer Straße erstreckt sich bis zur Wilzenburger Straße die Flur Auf Kempengarten.Nach einer scharfen Linksbiegung stößt der Kempenweg auf die Franzenheimer Straße. Wir erkennen schon die ersten Häuser und gehen die Straße hinunter bis zum Heiligenhaus auf der rechten Straßenseite. Hier stoßen wir auf die Wilzenburger Straße. Wir biegen rechts ab und erreichen kurze Zeit später den Dorfplatz, den Ausgangspunkt der Wanderung.

Kontakt:

Gemeinde Pluwig
Auf Steinisch 14 | 54316 Pluwig
Tel.: 06588-988778 | Fax.: 06588-988779
Mail: buergermeister@pluwig.de | Web: www.pluwig.de
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